1389 Die RSS Dragon auf
ihrem Weg durchs Sonsyst

Expansion

Die Geschichte der Eroberung des Sonsyst

Das entspannte politische Klima in Europa seit dem Wiener Fürstenvertrag von 1913 (1), die herrschende Technikbegeisterung sowie der Ressourcen-Reichtum des 1916 durch Thronfolge aus dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn hervorgangenen Deutschen Imperiums (2) hat sicherlich maßgeblich dazu beigetragen, daß im Jahre 1925 das Deutsche Imperium den ersten Raketenantrieb erfolgreich getestet und bereits 1932 den ersten Flug außerhalb der Erdatmosphäre unternommen hat.
Da die Ausweitung der Kolonien in Asien und Afrika Ende der 1920er Jahre durch den dort immer stärker und organisierter werdenden Widerstand an eine Grenze gelangt war, wurde der bereits 1913 im Fürstenvertrag in einer Fußnote auftauchenden Idee von der Kolonisierung des Sonsyst neue Aufmerksamkeit geschenkt. Mit den ersten erfolgreichen Raumflügen schien dieses neue Ziel in Reichweite gelangt zu sein. Einzelne Staaten gingen in den 1930er Jahren sogar schon so weit, Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen und Erschließungsverträge für das Sonsyst mit den einheimischen Fürsten ihrer ehemaligen Kolonien abzuschließen.

Die Raketentechnologie stand seit Ende der 1920er Jahren allen europäischen Staaten zur Verfügung stand, und es entwickelte sich bald ein sportlicher Wettbewerb bei der Eroberung des Sonsyst. So kam es bereits 1933 zu den ersten erfolgreichen Landungen auf dem Luna (3). Parallel zur Raketentechnologie entwickelte sich auch der Bau von Raumstationen, so daß im Jahre 1941 als erste die Raumstation auf Luna für den Publikumsverkehr freigegeben wurde. An ihrem Bau waren neben dem Deutschen Imperium und dem Britischen Empire auch die United States of America beteiligt, die damit erstmalig auf ihr fundiertes Fachwissen beim Schaffen menschenfreundlicher Umgebungen aufmerksam machten. Systrav und Terform in ihrer heutigen Form sind ohne das Fachwissen der USA - aber auch Chinas - kaum denkbar.

Nach diesem ersten Vorstoß zum Erdmond wurde im darauf folgenden Jahrzehnt vor allem die Erforschung der erdnahen Planeten durch den Bau von Orstas und die Entsendung von multinationalen Wissenschaftskollegien vorangetrieben - immer jedoch mit der erklärten Absicht, menschenwürdigen Siedlungsraum jenseits von Terra zu erschließen. 1945 wurde der Bau der Venus-Orsta begonnen, 1947 wurde die Mars-Orsta begonnen und 1953 schließlich noch die Merkur-Orsta. Während für den Bau der Venus- und der Mars-Orsta noch auf Terra produziert wurde, entschied man sich beim Bau der Merkur-Orsta erstmals für die industrielle Produktion im All. Bald begann man damit, auch für die beiden anderen Orstas auf die Produktion vor Ort umzustellen, und so war der erste Schritt in Richtung 'Gartenplanet Terra' (4) gemacht. 

Tatsächlich gelang es - vor allem durch die Besiedlung des Mars seit Mitte der 1960er Jahre - die Industrie weitgehend von Terra weg ins Sonsyst zu verlagern. Der Mars bot durch seine reichen Rohstoffvorkommen und seine ideale Lage auf dem Weg zum Ring - der nächsten großen Rohstoffquelle - ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung einer Reihe von Industriezweigen und wurde damit auch zu einer schnell wachsenden Kolonie, noch bevor der Prozess des Terform auf dem Mars ganz abgeschlossen war.
Neben der Produktion für den Bedarf der Systrav-Technologien wurden bald auch andere wichtige Fertigungstechniken auf den Mars ausgelagert, die auf die dortigen Rohstoffvorkommen angewiesen waren, so daß man seit den 1990er Jahren mit Fug und Recht von Terra als dem Gartenplanet sprechen kann.

Durch die zunehmende Kooperation der terranischen Staaten zur Urbarmachung des Sonsyst und die Ausbeutung der Rohstoffe im Ring kam in den 1980ern auch der Gedanke an eine Weltregierung auf, um so auch effektiver gegen Unruhen in den damals noch multinationalen Kolonien und gegen die aufkommende Piraterie im Ring (5) vorgehen zu können. Während man noch verhandelte und zunehmend auch die ehemaligen terranischen Kolonien an den Verhandlungstisch gebeten wurden, weil auch sie in der Zwischenzeit reiche Kompetenzen in den Erschließungstechniken erworben hatten, kam es 1992 mit einem Bombenattentat auf die Marsorsta zum ersten schweren Zwischenfall mit den damals glücklicherweise noch unorganisierten Marsrebellen. Dieser Vorfall sorgte für eine erhebliche Beschleunigung und für deutlichen Einigungswillen bei den Verhandlungen und Ende 2000 wurden die meisten terranischen Nationalstaaten zugunsten des gemeinsamen Terranischen Empires aufgelöst und das Jahr 2001 wurde das Jahr 1 des Terranischen Empires, dessen Herrschaftsgebiet sich mit der Gründung auf einen Großteil der Erde, die inneren Planeten, sowie Teile des Rings erstreckten.

Im ersten Jahrhundert des Terranischen Empires waren eine Reihe von erfreulichen Fortschritten zu verzeichnen. So schlossen sich innerhalb der ersten 50 Jahre praktisch alle noch außerhalb verbliebenen terranischen Nationen dem Terranischen Empire an. Zudem begann in den 40er Jahren endlich die Besiedlung der Venus, nachdem man mit dem Terform leider nur zögerliche Fortschritte gemacht hatte und schließlich auf den Bau von Atmosphärekuppeln umgeschwenkt war. Das Hoheitsgebiet des Empires im Ring wurde in den 50er und 60er Jahren durch strategische Orsta-Plazierungen erweitert, so daß nun von fast jedem Punkt des inneren Sonsyst die unbeschadete Passage durch den Ring in das Protektoratsgebiet der Äußeren Planeten möglich wurde. Der offizielle Vorstoß des Empires zu den Äußeren Planeten Jupiter und Saturn erfolgte durch den Bau der ersten Orstas dort und schließlich die Einsetzung des Vizekönigs im Jahre 79.
Leider entwickelte sich parallel dazu die Situation auf dem Mars immer mehr zum Schlechteren. 

In den 50er Jahren entstand zunächst eine unauthorisierte Kolonialverwaltung, die sich 78 sogar zum Demokratischen Marsianischen Parlament (The Peoples Republic on Mars) erklärte und die Unabhängigkeit von Terra auf ihre Fahnen schrieb. Durch Zusicherungen von Vergünstigungen an die Kolonisten wurde die Bewegung zeitweilig gebremst, aber die Forderungen flammten um die Jahrhundertwende wieder auf und '16 kam es zur ersten kurzen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der sogenannten Marsregierung und dem Terranischen Empire - ein versuchter Aufstand, der glücklicherweise niedergeschlagen werden konnte.
Trotz der Exilierung der extremistischen Wortführer kam es jedoch zehn Jahre später erneut zu einer Auseinandersetzung mit dem Empire. Der Auftakt waren Exportstops, dann kam es zu Angriffen gegen Vertreter des Empire und schließlich weitete sich der sogenannte Unabhängigkeitskampf '26 zu einem erklärten Krieg aus.
Angesichts der fanatischen Kämpfer auf der Gegenseite entschied das Empire nach den harten und blutigen Kämpfen um die Jahreswende '26/'27, die zu schweren Verlusten auf beiden Seiten führten, den Repräsentanten der Marsianer eine Lösung in Form eines Kompromisses vorzuschlagen, die jedoch brüsk abgelehnt wurde. Erst einige Monate später entschieden die Marsianer sich dann endlich, auf das Verhandlungsangebot der Terraner einzugehen.
Ende Ende '27 wurde der Mars aus dem Kolonialverhältnis zu Terra entlassen und zwischen beiden ehemaligen Kriegsgegnern wurden Handelsverträge abgeschlossen. Seit dem ist es glücklicherweise bisher nicht wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen im Sonsyst gekommen.
Glücklicherweise blieb die Marskolonie auch die einzige, die mit so drastischen Mitteln gegen die Oberherrschaft des Terranischen Empires protestierte.

Die terranischen Kolonien auf der Venus und im Ring, sowie die Terranischen Außenposten auf den Orstas der Äußeren Planeten wachsen und gedeihen unter der fürsorglichen Oberherrschaft des Empires und nach dem Jahrhundert der Expansion leben wir überall im Sonsyst nunmehr zweifelsohne im Jahrhunderts der Prosperität.

aus: Prinz Omar ibn Ali Malik,
Die Beschreibung des Sonsyst,
Kairo '45, S.3.

 

Anmerkungen

1   Der Fürstenvertrag wurde 1913 nach zunehmenden Anschlägen politischer Extremisten in Europa zwischen dem Britischen Empire, dem Deutschen Reich, Rußland, Österreich-Ungarn, Italien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden, sowie Spanien und Portugal in Wien geschlossen. Eines der angestrebten Ziele war die Befriedung der Bevölkerung, für die man die Kolonisation ausweiten wollte.

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2   Durch die Verbindung der Hohenzollern und Habsburger im Jahre 1886 - in diesem Jahre fand die Hochzeit der Prinzessin Viktoria von Preußen und des späteren österreich-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand statt - fielen nach der Abdankung Wilhelm II. im Jahre 1916 durch Kaiserliches Dekret beide Reiche an Franz Ferdinand. Das neue, stark vergrößerte Reichsgebiet erhielt den Namen 'Deutsches Imperium', den es bis zur Eingliederung in das Terranische Empire trug.

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3   Diese erste Landung unternahmen die Briten, nur um Tage gefolgt von den Deutschen.

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4   Das Schlagwort 'Gartenplanet' stammt aus der Mitte der 1940er Jahre und entstand wohl im Rahmen der damals zunehmenden Proteste gegen die in dieser Zeit schlagartig zunehmende Verindustrialisierung der europäischen Städte und Landschaften. Sogar in einigen - z.T. ehemaligen - Kolonialgebieten wurde zunehmend für den Bau von Raumschiffen und Raumstationen industriell gefertigt.

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5   Einzelne Konzerne begannen bereits in den 1960er und 1970er Jahren, den Ring genauer zu erforschen und neben den Konzern-Orstas entstanden schon in dieser Zeit auch einige 'wilde' Kolonien auf einigen der Asteroiden.

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© Bettina Lege 2006 / 2013, eMail schreiben,
letzte Änderung am 24.04.2006.