29053 Die RSS Dragon auf
ihrem Weg durchs Sonsyst

Religion

Glaube, Religion und Kirchen im Sonsyst

An dieser Stelle soll das zweischneidige Thema Glaube und Religion mit eher philosophischem Ansatz betrachtet werden. Es sei mir daher eine respektvolle Distanz und gewissermaßen erhöhte Warte zur besseren Betrachtung gestattet.

Spätestens mit ihrem Beitritt zur Weltregierung wurde in den Staaten Terras eine etwaig noch bestehende Verknüpfung der weltlichen und geistlichen Gewalten gelöst und die Religionsfreiheit garantiert. Das implizierte jedoch ebenfalls die Freiheit von jeder Religion, was bei vielen der Herrschenden Klasse mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Gelegentlich werden bekanntermaßen noch heute Stimmen laut, die eine staatlich reglementierte Religionserziehung gerade auf den Orstas und im Ring fordern. Gestärkt wird diese Position durch die Tatsache, daß der Neue Vatikanstaat bis heute nicht dem Terranischen Empire beigetreten ist.
Die Gefahren des Systrav sorgen natürlich dafür, daß die meisten Raumfahrer und auch die Bewohner der Orstas einen mehr oder weniger gefestigten Glauben haben, von dem sie sich Schutz in ausweglosen Situationen erhoffen. Dazu kommt die Pflege von Traditionen, die zum größten Teil aus der Zeit vor der Weltregierung stammen und in hohem Maße (volks-)religiöse Inhalte aufweisen.
Die meisten der auf Terra vertretenen Religionen haben so auch ihren Weg ins Sonsyst gefunden, inklusive der dazugehörenden Versammlungs- oder Gotteshäuser. Zum Teil haben sie sich dabei mehr oder weniger gewandelt, weil sie sich wie ihre Gläubigen den veränderten Lebensbedingungen anpassen mußten. Alle blieben in Ihren Kernaussagen jedoch ihren Wurzeln treu.
Im Zuge der Eroberung des Sonsyst kamen zwar vereinzelt neue Sekten auf, die jedoch bis heute nur von marginaler Bedeutung sind und hier vernachlässigt werden können. 

Eine so radikale Abweichung von ihrer bisherigen Entwicklung wie sie das Christentum durchlief, erlitt keine andere der großen Religionen.
Nichts schadete dem Volksglauben so sehr - nichts wiederum verbreitete die Kirchen so weit - wie der Schritt ins Sonsyst. Wo in kindlicher Einfalt erwartet wurde, jenseits der Atmosphäre von Terra einen weißbärtigen Gottvater zwischen den Planeten thronen zu sehen, wurde dieser Glaube durch die Publikation der ersten im All gemachten Bilder enttäuscht. Das sagt sich so leicht dahin, aber in einigen frisch missionierten Gebieten auf Terra führte es zu Ausschreitungen gegen die Missionsstationen und die Missionare. Alte Stammesreligionen bekamen dadurch erneut Aufschwung, so daß noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Zerfall einer Weltreligion mitzuerleben war. Es bedurfte der gemeinsamen Anstrengung aller christlicher Kirchen, den entstandenen Schaden zu begrenzen und durch eine bis dahin nie gesehene Zusammenarbeit einen neuen status quo zu erreichen, dessen Besiegelung im Jahre 1955 - zwei Jahre nach dem Konzil von London - die Weihe der Hl.Einheit auf Luna war. Diese Kirche stellte mit ihrem eigenen Shuttlehafen einen Brückenkopf für die christliche Eroberung des Sonsyst dar, der erste vorgeschobene Posten des Neuen Vatikanstaat, der auf diese Weise damit begann, sich an diesem friedlichen Wettstreit der anderen terranischen Nationen zu beteiligen.
Inzwischen gibt es auf allen Orstas der Inneren Planeten und an vielen Stellen im Ring weitere christliche Posten, die sogenannten Hagiee Stoiee. Zu diesen Heiligen Hallen gehören auch einige Raumschiffe, die missionierend zwischen den Orstas und Siedlungen der Äußeren Planeten umherziehen.

Die Ausbreitung des Buddhismus profitierte in erster Linie von der führenden Position Chinas bei der Eroberung des Sonsyst und von der Tatsache, daß der Buddhismus auf dem Mars durch den hohen Anteil Russischer Kolonisten aus Asien die anhängerstärkste Religion war. Während der Jahre der dortigen Wirren, war er zeitweilig sogar die erklärte marsianische Staatsreligion - bis zur offiziellen Abschaffung aller Religionen mit Ausrufen der Peoples Republic on Mars im Jahre 78. Dieser Schritt der Marsregierung sorgte noch einmal für eine weitere Verbreitung des Buddhismus bis zum Ring. Es sei nur an die spektakuläre geschlossene Auswanderung der Mönche vom Aonius-Kloster erinnert.

Eine weitere im ganzen Sonsyst verbreitete Religion ist bis heute der Islam, der vor allem unter den Mitgliedern der RSN und RSP weit verbreitet ist. In den letzten Jahren dringen immer wieder Gerüchte an die Öffentlichkeit, nach denen über die offizielle Einführung des Islamischen Festkalenders innerhalb der Royal Space Navy diskutiert wird.

Die einzige offiziell nicht dem Sonsyst sondern weiterhin Terra zugewandte große Religionsgemeinschaft ist die der Juden. Tatsächlich leben inzwischen zwischen Venus und Ring jedoch mehr Juden außerhalb Terras als auf dem Gartenplanet. Mit der Gründung der Koships Coop., einer Raumschiffahrtsgesellschaft, an Bord deren Schiffe ein koscheres Leben möglich ist, wurde diese bis dahin rein statistische Tatsache augenfällig. Die auf Terra verbliebenen orthodoxen Juden erkennen jedoch weder den Standard der Koships Coop. als koscher, noch die im Sonsyst geborenen Juden als wahrhafte Juden an.

Im offiziellen Leben des Sonsyst - und vor allem seiner stärksten Macht, dem Terranischen Empire - ist Religion jedoch nur eine Marginalie. Ich darf hier an die einleitende Passage unserer Verfassung erinnern:

§ 1. Alles Heil des Empires liegt im seinem Herrscher begründet.

Dr. Miles Arthur Donovan, Sq.
Dozent für Kirchengeschichte am
Heilig-Kreuz-Priesterseminar zu Athen


© Bettina Lege 2006 / 2017, eMail schreiben,
letzte Änderung am 24.04.2006.