29053 Die RSS Dragon auf
ihrem Weg durchs Sonsyst

Fehler 12

von Sebastian Krauß

eine Leuvenhook Geschichte - von Tian (Mai '99) für Bettina

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Ein sanftes Vibrieren ging duch die Dragon als die Schubwerke kurz zündeten um in die neue Bahn einzuschwenken. Ein kurzes Vibrieren und ein ebenso kurzes Einwirken von Beschleunigung das dazu führte, daß jeder an Bord der Dragon ebenso kurz nach dem Gleichgewicht suchte.
Msm Tyndahl, erst seit wenigen Wochen an Bord der Dragon, hangelte sich den schmalen Gang von seiner Kajüte zur Funkerkabine entlang. Er konnte CPO Leuvenhook hören wie er geschäftig in der Kabine aufräumte. Als Tyndahl die Tür zur Funkkabine erreichte richtete sich Leuvenhook ruckartig auf und versuchte sich möglichst förmlich und schnell an ihm vorbei zu drängen.
"Keine besonderen Vorkommnisse. Muß die Tasse abgeben." murmelte der CPO und wand sich eilig Richtung Messe.
Midshipman Tyndahl sah ihm verwundert nach und fragte sich wieso Leuvenhook es so eilig hatte seine Kafsur Tasse in die Messe zu bringen. Seit Tyndahl seinen Dienst auf diesem Schiff angetreten hatte wunderte er sich über Leuvenhook. Tyndahl hatte sich seinen eigenen Reim darauf gemacht wieso jemand wie der CPO sich freiwillig zum Dienst auf einem alten Kurierschiff gemeldet hatte. Leuvenhook hatte den Marskonflikt nicht an Bord eines Kreuzers, Zerstörers oder gar bei den Raumlandetruppen verbracht. Beziehungen muß man haben sagte sich Tyndahl immer, Beziehungen die er nicht hatte. Er hatte den Konflikt an Bord eines Kriegschiffes verbracht.
Ein zornig blinkendes Lämpchen am Lastrefu errinnerte den Msm daran sich zügig hinzusetzen und die Kopfhörer aufzusetzen. Er kontrollierte ob ein Signal einging aber dies war nicht der Fall und so suchte er einen neuen Kanal um das Trägersignal zu empfangen. Das Lämpchen beruhigte sich. Tyndahl betrachtete die Struktur der Deckenfarbe und ließ sich vom sanften Rauschen des Lastrefu treiben. Die Dragon war in den Bereich einer neuen Lastrefurelaisstation eingedrungen und nun dauerte es lange bis neue Einstellungen nötig waren. Seit Tagen war der Dienst am Lastrefu besonders langweilig geworden da die Dragon Post für die Ostra Neptun zustellen mußte. Es war Tage her seit die letzte Lastrefunachricht einging.
Das Rauschen des Lastrefu wurde lauter und immer öfter wurde es durch Knackser unterbrochen. Tyndahl überprüfte irritiert die Einstellungen und betrachtete mißtrauisch die Kontrollampen des Lastrefu. Doch alles war in Ordnung. Gerade als Msm Tyndahl sich wieder zurücklehnen wollte ertönte ein Hupen und dann schwieg der Lastrefu. Die Kontrollämpchen verglimmten langsam. Tyndahl saß aufrecht da und starrte ungläubig auf den Lastrefu. Nach dem ersten Schreck begann er ein, zwei mal gegen den Lastrefu zu schlagen. Jedesmal wartete er kurz und voll Spannung doch der Lastrefu blieb stumm. So begann Tyndahl nach dem Handbuch des Lastrefu zu suchen.
In der Schublade fand er aber nur den Roman den CPO Leuvenhook las, einen italienischen herz-schmerz Roman, und das Neusprec-Italienisch Wörterbuch. Beide waren an den Rändern ein wenig feucht und hatten frische Kafsurflecken.
Da er das Handbuch nicht fand, er vermutete CPO Leuvenhook hatte es in seiner Kabine um es zu studieren, beschloß Tyndahl einen Neustart des Lastrefu zu initialisieren. Er löste also die Arretierungsschrauben und zog den Lastrefu vorsichtig aus seinem Rahmen. Eine leichte Staubschicht bedeckte die Rückseite des Gerätes und überzog den Neustartknopf. Msm Tyndahl drückte ihn und ein Piepen zeigte an, daß der Zurücksetzungsvorgang eingeleitet worden war. An der Frontseite des Lastrefu leuchteten die Lämpchen auf und blinkten vor sich hin. Nach einigen Sekunden ertönte wieder eine Hupe und die rote Warnleuchte blinkte.
Tyndahl betrachtete die Lämpchen die den Fehlercode ausgaben. Eine weitere Suche förderte im Geräteschacht eine völlig verstaubte Fehlercodetabelle zutage. Die Lampenkombination ergab Fehler 257. Tyndahl wußte nicht im geringsten was ein Fehler 257 bedeutete und so drückte er den Neustartknopf ein weiteres mal. Wieder ein Piepsen und das nervöse Blinken der Lämpchen nur um mit einem Hupen erneut zum Stillstand zu kommen. Das Hupen war allerdings ein anderes als beim ersten Mal. Msm Tyndahl kontrollierte die Lämpchen und ermittelte diesmal einen Fehler 12.
Mit einem resignierten Blick nach oben durchsuchte er die "Postbox" zum zweiten mal nach dem Handbuch des Lastrefu. Nur um wieder nicht fündig zu werden. Im tiefen Wissen, daß er in der Postbox eh nichts machen konnte, meldete er dem Kaptain das Problem mit dem Lastrefu und begab sich zur Kabine des CPO Leuvenhook. Dieser öffnete erst nach wiederholtem Klopfen die Tür nur einen Spalt. Msm Tyndahl konnte trotzdem erkennen, daß Leuvenhook doch tatsächlich einen Morgenmantel trug. Tyndahl schüttelte gedanklich den Kopf. Ein Lachen unterdrückend fragte er: "Besteht die Möglichkeit, daß Sie vergessen haben das Handbuch des Lastrefu an seinen Platz zurück zu bringen nach dem sie es auswendig gelernt hatten?" Eine kleine Bissigkeit konnte Tyndahl sich einfach nicht verkneifen um so überaschter war er als Leuvenhook einfach nur mit einem "Oh entschuldigen Sie." antwortete und nach etwas in seiner Kabine zu suchen begann. Ein paar Augenblicke später reichte er das Handbuch, noch mit einigen Lesezeichen versehen, Tyndahl.
Msm Tyndahl ging wieder den Korridor zur Postbox zurück und schlug dabei die Lesezeichen nach. Der CPO schien sich mit allen Aspekten der effektiven Bedienung und der korrekten Fachausdrücken des Lastrefu beschäftigt zu haben. Ein Umstand der erklärte, warum der CPO nie bei den Pokerrunden der restlichen Manschaft dabei war. In der Postbox angelangt ließ er sich stöhnend auf seinen Sitz fallen und legte das Handbuch vor sich. Nach einer Weile begann er dann nach einem Kapitel zu suchen in dem die Fehlercodes erklärt werden. Es verstrich einige Zeit die nicht alleine durch das Suchen nach nützlichen Informationen sondern vornehmlich mit dem Starren an die Decke angefüllt war bis Tyndahl endlich ein annähernd passendes Kapitel fand. Mittlerweile wirklich schlecht gelaunt las Tyndahl die Seiten nur um zu erfahren, daß Fehler 257 ein "Schwerer Ausnahmefehler" und Fehler 12 ein "Registerzuordnungsfehler" ist. Wie man diese Fehler beheben kann wurde im Handbuch nicht erwähnt. Laut Handbuch sollte man sich an den Kundendienst wenden und gab eine Lastrefu Adresse an.
Tyndahl schlug wütend gegen den Lastrefu der dadurch ganz aus seiner Halterung rutschte. Msm Tyndahl wollte das Gerät gerade wieder in den Schacht schieben als ihm eine kleine Pfütze einer bräunlichen Brühe auffiel die sich unter dem Lastrefu bildete. Eine Pfütze die verdächtig nach Kafsur roch. Er entfernte alle Kabel die noch am Lastrefu hingen und öffnete das Gehäuse. Nun sah er die Ursache für den Ausfall des Lastrefu, von vorne war eine größere Menge Kafsur in das Gerät eingedrungen. Gerade so als hätte jemand eine Tasse davon gegen die Frontblende geschüttet.
Tyndahl wußte wer dieser jemand war und er wußte auch wer in den nächsten Tagen seine Kombüsenschicht übernehmen würde. Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen begann Tyndahl die Brühe aus dem Lastrefu zu putzen.
Als er dann den Neustartknopf drückte begann wieder das Piepsen und Blinken doch diesmal leuchtete zum Schluß die grüne Statuslampe auf und zeigte regulären Betrieb an.
Tyndahl freute sich schon auf Schichtende und auf das Gesicht eines ach so pflichtbewußten Offizier.


© Bettina Lege 2006 / 2017, eMail schreiben,
© Sebastian Krauß (tian@zadian.de, homepage) 1999, alle Urheberrechte beim Autoren,
letzte Änderung am 07.04.2015.